Julius’ Blog

Ich, ganz subjektiv.

I ♥ ▪T▪▪▪

Montag, 1. März 2010 – 13:42 Uhr

Heute, kurz nach 13 Uhr, meldete sich eine freundliche Dame am Telefon. Sie sei von Vodafone und sehe, dass ich eine hohe Telefonrechnung hätte.

Höflichkeit und hellseherische Fähigkeiten scheinen aber im Vodafone-Callcenter mit türkischer Landesvorwahl (0090) nicht hoch im Kurs zu stehen. Denn zum Ersten ruft man nicht Leute zwischen 13 Uhr und 15 Uhr an, das schickt sich nicht. Zum Zweiten bin ich gar kein Anschlussinhaber, ergo habe ich keine hohe Telefonrechnung, die die gute Frau sehen könnte.

Gerade das letzte Argument schien aber nicht so recht zu ziehen, denn sie wollte wissen, wie hoch meine Telefonrechnung bei der Telekom sei. Als Nichtanschlussinhaber habe ich allerdings keine Rechnung. Doch selbst wenn ich eine hätte, müsste sie eigentlich wissen, wie hoch sie ist, schließlich gab sie ja genau das vor.

Was sie hingegen weiß: Es gibt irgendein tolles Sparangebot. Wahnsinn. Selbst wenn ich bei Vodafone kostenlose telefonieren könnte, trennte mich nichts und niemand (besonders nicht Herr D’Avis) von meiner Deutschen Telekom, die eher ideel statt vertragsbeziehungstechnisch (oder gar in Anteilsscheinen zählbar) die Meinige ist.

Da sie nicht verstehen wollte, dass ich, selbst wenn ich Anschlussinhaber wäre, nicht zu Vodafone wechselte, wünschte ich ihr noch einen schönen Tag und legte auf. Irgendwie ein Grund mehr, Vodafone nicht zu mögen.

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»Überlebensbericht«

Donnerstag, 25. Februar 2010 – 15:28 Uhr

Die Berliner Zeitung hat vor anderthalb Wochen im Magazin einen interessanten Bericht, »Überlebensbericht« wie sie es nennen, von Tanja Leston abgedruckt: »Guck nach unten, Frau!«

Frau Leston unterrichte für sechs Monate als Aushilfe an einer Weddinger Gesamtschule. Sie gab Musik und Englisch. Ohne fachlich noch pädagogisch jemals dafür ausgebildet worden zu sein.

Es ist für mich immer wieder verblüffend und erschreckend zugleich, wie schnell irgendwer »Dahergelaufenes« einfach so zum Lehrer gemacht wird. Niemanden fiele es ein, mich ohne Ausbildung ein Auto zusammenschrauben oder kardiologische Untersuchungen durchführen zu lassen. Doch 30 Schülerinnen und Schüler, die kann ja jeder unterrichten. Jedem Lehrer und jeder Lehrerin signalisiert man dadurch: Deine fünf Jahre Studium sind nichts wert. Es ist geradezu bitter. Auch wie man mit dem wertvollsten Rohstoff, den unser Land hat, den Kindern, umgeht.

Ich finde es vor allem deshalb bitter, weil spätestens seit 1872 sonnenklar ist, dass sich Investitionen in Bildung auszahlen. Auf die Anfrage des ersten japanischen Gesandte in den USA, Mori Arinori, wie sich Bildung auf verschiedene Aspekte der Gesellschaft auswirke, antwortete damals David Murray (Universität in New Brunswick) unter anderem: “What is spent on education will be saved a hundredfold in armies, and police, and courts of justice.”

Nun dann. Sparen wir jetzt ein wenig. Es wird uns teuer zu stehen kommen.

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klein, rund, schwer – Wombats

Donnerstag, 25. Februar 2010 – 08:22 Uhr

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Mazedonien (ESC 2010)

Mittwoch, 24. Februar 2010 – 21:57 Uhr

Die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien schickt Gjoko Taneski mit Jas ja imam silata nach Oslo.

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›Ich habe die Stärke‹, das heißt der Titel übersetzt.

Das einzige, was an dem Lied stark ist, ist die Gesangsleistung. Sonst ist es nicht mehr als langweiliger, fünftklassiker Balkanrockpop mit kleiner Möchtgern-Gangster-Rap-Einlage. Schade. Dafür gibt’s eine 5.

Alle Lieder des diesjährigen Eurovision Song Contests.

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Spanien (ESC 2010)

Mittwoch, 24. Februar 2010 – 21:42 Uhr

Daniel Diges singt für Spanien Algo pequeñito.

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Algo pequeñito, ›etwas Winziges‹, das wünscht sich Daniel sehnlichst von seiner Herzensdame. Eine kleine Geste, eine kleine Gefälligkeit, die ihm zeigt, dass sie ihn noch liebt. Ihn, der sie wie verrückt liebt.

Das Lied versprüht einen Hauch Cirque du Soleil: Fröhlich-tragische Melodie, Walzerrhythmus, schmachtender Gesang auf Spanisch. Lediglich die fantasievolle Welt des kanadischen Zirkus bleibt auf der Strecke; die vier Tänzer erinnern eher an eine Freakshow, mit Quasimodo als Dompteur (die Kameraeinstellung um 0:30 scheint auf Buckelmodus gestellt worden zu sein).

Leider hängt dem Lied auch der Fluch vieler Cirque-du-Soleil-Lieder an: Man hört sie, lässt sich verzaubern, doch nach drei Minuten findet der Zauber sein jähes Ende. Bis auf Alegría und Mirko hat es bisher kein Lied der Kanadier geschafft, sich in meinem Kopf festzusetzen.

Schlechte Karten für Algo pequeñito. Eine mittelmäßig gute 4+ von mir.

Alle Lieder des diesjährigen Eurovision Song Contests.

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Konjunktiv … oder doch lieber nicht?

Mittwoch, 24. Februar 2010 – 20:15 Uhr

Ich bin ein großer Anhänger des Konjunktivs. Und wie es bei großen Anhängern oft ist, ist auch bei mir die Grenze zwischen Fan und Fanatiker … sagen wir fließend. Das soll heißen, dass ich in schriftlichen Arbeiten zum Hypergebrauch neige.

Daher wende ich mich an euch: Im folgenden Absatz, den ich aus meiner in der Entstehung befindlichen Masterarbeit genommen habe, gibt es zwei Konjunktivformen (halbfett hervorgehoben).

Die Grenze zwischen persönlichen und unpersönlichen Verben ist zum Teil fließend: In übertragenem Gebrauch könnten einige unpersönliche Verben auch persönlich verwendet werden (vgl. Béchade 1993: 31). Eine große Anzahl an persönlichen Verben könne darüber hinaus auch unpersönlich gebraucht werden (vgl. Grevisse/Goosse 2008: 1012).

Ich verwende hier den Konjunktiv, weil die Gedanken, die ich wiedergebe, nicht die meinigen sind. Eine Art indirekte Rede, aus meiner Sicht. Doch wie schreibt man nun richtig? Mit oder ohne Konjunktiv? Oder ist vielleicht sogar beides erlaubt?

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Digitales Lexikalisches System

Dienstag, 23. Februar 2010 – 10:04 Uhr

Gestern besuchte ich in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ein Kolloquium des Zentrums Sprache. Thema: »Der ›Grimm der Zukunft‹ – Perspektiven der Lexikographie im 21. Jahrhundert«.

»Der Grimm«, damit ist das von den Brüdern Grimm 1838 begonnene Deutsche Wörterbuch gemeint. Nach »nur« 123 Jahren, also im Jahre 1961, war man fertig. Da die Buchstabenstrecken, mit denen man begonnen hatte, beim Abschluss des Wörterbuchs deutlich veraltet waren, beschloss man 1957 eine Neubearbeitung der Buchstabenstrecke A – F. 2012 wird man voraussichtlich damit fertig sein.

Eine ähnliche Neubearbeitung der anderen Buchstaben mache keinen Sinn, so Wolfgang Klein, Direktor am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik, nebenbei erwähnt ein sehr begabter Rhetoriker. Zum einen dauere die Neuauflage Jahrhunderte (wodurch die Buchstabenstrecken noch viel veralteter wären, als sie es jetzt schon sind). Die Finanzierung eines solchen Mammutprojektes sei ebenfalls nicht realisierbar.

Aus diesem Grund entschloss man sich an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, zukünftig ein »Digitales Lexikalisches System« zu entwickeln. Es ist kein Wörterbuch, aber aus den Daten können Wörterbücher abgeleitet werden. Dies möchte ich kurz an einem Beispiel illustrieren: Aus einem Datensatz, der zu jedem Wort die Schreibung und die Aussprache verzeichnet, kann man verschiedene Wörterbücher schaffen: (1) ein Rechtschreibwörterbuch wie den Duden (wie schreibt man ein Wort richtig?), (2) ein Aussprachewörterbuch (wie wird ein Wort ausgesprochen?), (3) ein rückläufiges Wörterbuch (welche Wörter enden auf -nf?), (4) ein phonologisches Wörterbuch (welche Wörter beginnen mit [ts]? Tsatsiki oder auch Zoo) oder (5) ein Reimlexikon (was reimt sich auf Zoo? Floh, froh, …).

Mit dem Digitalen Lexikalischen System löst man viele Probleme von Papierwörterbüchern. Etwa den Umfang. Schätzungen zufolge gibt es 4,5 Millionen Wörter in der deutschen Sprache (dabei zählen Haus, Hauses, Häuser, Häusern als ein gemeinsames Wort), weit über 400 Buchbände wären dafür notwendig. Darüber hinaus ist ein digitales Wörterbuch ergänz- und korrigierbar. Es muss auch nicht nur auf Schrift zurückgreifen. Das Duden-Universalwörterbuch definiert lachen wie folgt: »durch eine Mimik, bei der der Mund in die Breite gezogen wird, die Zähne sichtbar werden u. um die Augen Fältchen entstehen, [zugleich durch eine Abfolge stoßweise hervorgebrachter, unartikulierter Laute] Freude, Erheiterung, Belustigung o.Ä.«. Ein Video, in dem jemand lacht, wäre sicherlich leichter verständlich als diese Umschreibung. Ein weiterer Vorteil: Das Digitale Lexikalische System bietet eine »inkrementelle Funktionalität«, das heißt, dass nicht für jedes Wort die gleiche Informationstiefe vorhanden sein muss. Man kann das Wörterbuch schrittweise ausbauen.

Da 4,5 Millionen Einträge nur von Heerscharen an Lexikografen aktuell gehalten werden könnten, wird man sich zukünftig auf »wichtige«, relativ häufig verwendete Wörter konzentrieren, die regelmäßig überarbeitet werden. Zu den anderen Wörtern gibt es jedoch Belege aus Literatur und Presse, sodass die Bedeutung erschlossen werden kann.

Eine überarbeite Oberfläche des Digitalen Wörterbuchs findet man unter beta.dwds.de. Dort kann man auch ein White Paper herunterladen, in dem zentrale Aspekte des Projektes erklärt werden.

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Armenien (ESC 2010)

Sonntag, 21. Februar 2010 – 11:44 Uhr

Eva Rivas singt für Armenien. Ihr Titel: Apricot Stone.

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Armeniens Angelina Jolie im Herr-der-Ringe-Kostüm singt ein spanisches Volkslied. Nett, aber langweilig. Besonders gruselig ist die Bridge.

Für das Nett gibt es eine gute 4.

Alle Lieder des diesjährigen Eurovision Song Contests.

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Polen (ESC 2010)

Samstag, 20. Februar 2010 – 16:59 Uhr

Polen schickt Marcin Mroziński mit Legenda ins Rennen um die Eurovisionskrone.

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Marcin kann singen, gut sogar.

Das macht das Lied jedoch nicht besser. Es ist sterbenslangweilig, zusammenhangslos und unspektakulär. Eine glatte 5, mehr ist nicht drin.

Alle Lieder des diesjährigen Eurovision Song Contests.

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jugendlichen Jugendspiele

Freitag, 19. Februar 2010 – 21:02 Uhr

Als die Olympischen Spiele im vorletzten Jahrhundert wiederbelebt wurden, sollten sie ein »Treffen der Jugend der Welt« werden. Diesen Anspruch hat man noch heute: Bei den Abschlussfeiern lädt der amtierende IOC-Präsident die Jugend immer ein, sich in vier Jahren wieder zum sportlichen Wettkampf zu treffen.

Dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun alles andere als jugendlich sind, das scheint man auch beim IOC durchgeholt zu haben. Deswegen hat man 2007 die Olympischen Jugendspiele aus der Taufe gehoben. In diesem Jahr finden die ersten Olympischen Jugend-Sommerspiele in Singapur statt. Dort werden 3600 junge Olympionik(inn)en im Alter von 14 bis 18 erwartet. Vermutlich ein »Treffen der Kinder der Welt«.

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fliegende Messehostessen

Freitag, 19. Februar 2010 – 18:08 Uhr

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neuer Anlauf für Internetzensur in Deutschland

Dienstag, 16. Februar 2010 – 22:02 Uhr

Das leicht zu umgehende Zugangserschwerungsgesetz (ich habe darüber berichtet) scheint gescheitert zu sein. Das ist vernünftig.

Doch derzeit droht ein viel tiefgreifender Angriff auf die Freiheit des Internets: Es ist eine Änderung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages geplant. Diese Änderung hat – im ungünstigen Fall – zur Folge, dass zukünftig alle Internetseiten kategorisiert (ab 0, 6, 12, 16, 18 Jahre) werden müssen. Alle ausländischen Internetseiten, die nicht dem deutschen Jugendschutz entsprechen (z. B. nicht kategorisiert sind), müssten geblockt werden.

Doch wieso müssten diese ausländischen Seiten gesperrt werden? Nun, der Grund ist einfach: Der Anbieter »entwicklungsbeeinträchtigender Angebote« begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 500 000 Euro geahndet werden kann. Als Anbieter gilt zukünftig nicht nur derjenige, der die Seite ins Internet stellt, sondern auch das Unternehmen, dass den Speicherplatz für die Seite anbietet (Hosting-Provider), sowie das Unternehmen, dass euch den Internetzugang ermöglicht (Access-Provider). Telekom, 1&1 und wie sie alle heißen: Sie werden so behandelt, als hätten sie die für Kinder und Jugendliche ungeeigneten Materialien selbst online gestellt. Natürlich sind diese Unternehmen nicht in der Lage, das ganze Internet zu lesen und zu überprüfen, wer was wie sehen darf.

Im ungünstigsten Fall werden ausländische Seiten (Videoplattformen, Blogs, …) zukünftig nur noch zwischen 22 Uhr und 6 Uhr abrufbar sein. Eine unglaubliche Vorstellung, die jedoch leider nicht aus der Luft gegriffen ist.

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Niederlande (ESC 2010)

Donnerstag, 11. Februar 2010 – 20:13 Uhr

Sieneke Peeters startet mit Ik ben verliefd, Shalalie ›Ich bin verliebt, Shalalie‹ für die Niederlande.

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Die bald 18 Jahre alt werdende Sieneke ist dem Lied nach verliebt. Und Liebe macht offensichtlich sehr vergesslich. Denn sie kann sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, wo sie das Lied, das sie singt, aufgeschnappt hat. War es am Strand in Lissabon? In Paris? Auf dem Flug nach Oslo? In einer Bar in Trinidad? Einem Café in Berlin?

Ich persönlich vermute ja, dass sie dieser Tage deutsches Fernsehen gesehen hat. Das Lied, das sich irgendwo zwischen trashig-witzig und trashig-grausam befindet, wurde definitiv beeinflusst durch eine x-beliebige MDR-Schlagersendung und durch die vielen gleichen Karnevalssitzungen. Bläck Fööss meets Vierjahreszeitenfest der Volksmusik! Bei angemessenem Alkoholpegel versteht man dann wahrscheinlich auch den Text (oder glaubt es zumindest) und klatscht frenetisch, so wie das Publikum. Vielleicht gab es vorher auch für alle einen Mokka Hasjiesj Grande aus dem Coffee Shop.

Ich für meinen Teil bin nicht sonderlich angetan, eine glatte 5.

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Notstand

Donnerstag, 11. Februar 2010 – 15:36 Uhr

Ich frage mich, ob der wirtschaftliche und körperliche Schaden infolge des Jahrhundertwinters™ nicht geringer gewesen wäre, wenn man einfach für zwei Tage den Ausnahmezustand ausgerufen hätte und alle Reservisten sowie Ersatzreservisten zum Schneehacken verpflichtet hätte.

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auf dem Weg zur Kurzhaarfrisur

Mittwoch, 10. Februar 2010 – 07:24 Uhr

Bei schütter werdendem Haar empfiehlt es sich, irgendwann auf eine Kurzhaarfrisur umzusteigen. Wenn nicht, wird man 60 Jahren die Haare, die einem noch verblieben sein werden, im Zickzack über den Scheitel legen, um dadurch Fülle vorzutäuschen. Diese Illusion verfliegt spätestens beim ersten Windstoß, wenn sich die Matte in Gänze vom Kopf hebt.

Gestern beim Friseur versuchte nun eine Friseurin, den zwei Stühle rechts neben mir sitzenden jungen Mann davon zu überreden, den langen Haaren Adieu zu sagen und auch auf Kurzhaarfrisur umzusteigen. Da er sich sehr zierte, sprang meine Friseurin und eine dritte mit ein in den Chor der Überredung. Ich durfte, um nicht zu sagen musste, als Anschauungsobjekt herhalten, dass es eben doch besser ist, einfach zu seinen Geheimratseckengroßflächen zu stehen. Er fragte mich in einer Mischung aus Bedauern und Skepsis, ob ich denn damit glücklich sei. Naja, meines Erachtens hängt das Glück nicht von der Haarlänge ab. Man muss einfach akzeptieren, dass dort, wo früher mal keine Haare waren, keine mehr sind. Und umso eher man das akzeptiert, umso eher erspart man sich später Peinlichkeiten, wie die oben beschriebene.

Auch wenn seine Haarpracht diese Mal nicht fiel, so versprach er hoch und heilig, dass beim nächsten Mal die Mähne kürzer wird und dass er definitiv zum nächsten Friseurtermin zu der ihn überredenden Friseurin kommen wird, nicht dass er einfach den Friseur wechselt. Die Friseurinnen werden ihn täglich daran erinnern können, der junge Mann arbeitet nämlich im Supermarkt im Untergeschoss unseres kleinen Einkaufzentrums.

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