problematisch
Samstag, 29. März 2008 – 17:08 Uhr
Vorgestern stellte Herr Exit das Online-Wörterbuch canoo.net vor. In der Diskussion warf ich die Frage auf, wie sinnvoll die dort etwa die zu problematisch gebotenen Ableitungen sind.
Problematik und problematisieren seien von problematisch abgeleitet. Dies erscheint mir sowohl morphologisch wie semantisch an den Haaren herbeigezogen.
Ein Blick auf die Bedeutung der drei Wörter zeigt, warum sie aus semantischer Sicht nicht aufeinander aufbauen können:
- Problematik: ›Gesamtheit aller Probleme‹
- problematisch: ›schwierig; voller Probleme‹
- problematisieren: ›etwas zu einem Problem erheben‹
In allen drei Bedeutungsbeschreibung tritt Problem auf, nie jedoch problematisch. Das sollte zu denken geben.
Aus morphologischer Sicht sind die angebotenen Ableitung ebenfalls nicht sinnvoll, weil problematisch nicht Bestandteil von Problematik oder problematisieren ist.
Stehen wir nun noch vor dem Problem, wie man die Wörter selbst analysiert und worauf sie eigentlich zurückzuführen sind. Canoo.net schlägt problem-atisch vor. -atisch käme unter anderem auch in aromatisch, magmatisch und schematisch vor. Das ist gelinde gesagt Humbug, denn es existieren die Ausgangswörter Aroma, Magma und Schema. Wieso soll der finale Vokal wegfallen, um dann wieder angehangen zu werden? Viel wahrscheinlicher, weil besser in das Gesamtsystem passend, ist es, dass die sehr häufig vorkommende Adjektivendung -isch in Kombination mit einem inhaltsleeren Bindekonsonanten -t- (bzw. mit einer inhaltsleeren Bindesilbe -at-) auftritt. Alternativ könnte man auch sagen, dass es von gewissen Wörtern zwei Formen gibt: Eine kurze (Problem) und eine lange (Problemat-). Die kurze Form käme selbstständig (Problem) oder in Zusammensetzungen (problembeladen) vor, die lange hingegen in Ableitungen (problematisch).
Die Variante mit der Allomorphie (die mit den zwei verschiedenen Formen, die das Gleiche bedeuten, aber unterschiedlich verwendet werden) erscheint mir als sinnvollste Lösung. Aber um das genau sagen zu können, wäre es nötig, eine Reihe anderer Wörter zu analysieren, um Parallelitäten oder Unterschiede feststellen zu können. Darauf habe ich aber gerade keine Lust…
WOW, dazu kann ich jetzt gar nichts sagen. Deshalb kommentier ich jetzt lieber “Lolly Dolly”.