Julius’ Blog

Ich, ganz subjektiv.

Die experimentelle Geschichte – Episode 15

Mittwoch, 14. Mai 2008 – 13:08 Uhr

Paul hat eine experimentelle Geschichte gestartet und Rob warf mir den virtuellen Füllfederhalter zu. Ich werde mich auf einen Satz beschränken, da nach einigen mehrsätzigen, zum Teil einen Absatz lang seienden Fortsetzungen Herr robs Absatz gekürzt wurde. Damit der unterhaltsame und für die Geschichte sicherlich noch wichtige Rückblick nicht verloren geht, greife ich ihn einfach in meinem Satz mit auf.

Was bisher geschah…

Plötzlich ergriff ihn jemand von hinten, doch Wahnfried hatte keine Chance; jemand bedeckte sein Gesicht mit einem Tuch; ein süßlicher Geruch stieg in ihm auf – er wusste sofort: Chloroform; das Letzte, was er noch sah, war das gelbgrüne Schimmern der Neonröhren, ehe er das Bewusstsein verlor; Wahnfried sah sich jäh zurückversetzt auf den schlammigen Schulhof seiner so verhassten Grundschule; schmallippige Lehrerinnen in verwaschenen Tweed-Röcken, aus denen fahle, knochige Beinenden wuchsen, beaufsichtigten fast wohltätig stakend die graue Schülermasse, die nichts Besseres zu tun hatte, als sich jeden Tag ein neues, perfides Spiel für die Pause auf dem ärmlichen Schulhof auszudenken; am gestrigen Nachmittag humpelte die einarmige Tanja greinend über den Hof, denn sie verlor ihr Spiel, dass ihr die wild gestikulierende Schülermacht aufzwang; „Feigling“, schrie der kaltäugige Anführer ihn an und stieß ihn dabei immer wieder provozierend gegen die schwache Schulter; heute war sein Spiel, wusste Wahnfried, heute war seine Mutprobe, heute konnte er seine Angst verbrennen; er würde nicht, wie die schwache Tanja, geschlagen und verspottet diesen Platz überqueren; dafür müsste er sich nur, wie vom kreischenden Anführer der gröhlenden Schüler befohlen, diesen schwarzen Käfer an die Brust tackern lassen; noch kämpfte das dickleibige Insekt um sein Leben, doch das kühle Heftgerat näherte sich, um den verzinkten Stahl in den schillernden Chitinpanzer zu rammen und unlösbar mit Wahnfrieds Brust zu verbinden; die Klammer schoß in den Käfer und Wahnfrieds Blut war der rote Beweis dafür, dass er kein Feigling war… was er ahnte in diesem Augenblick: Insekten und Stahl sollten ihn bald sein ganzes Leben lang begleiten.

Als Nächsten in der Reihe wähle ich Herrn Spontiv. Die Spielregeln: Es ist, komme was wolle, darauf zu achten, dass der Zusammenhang erkennbar bleibt. Und zu Paul verlinken, versteht sich. Ach ja: Natürlich nicht mehr als einen Satz.

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4 Reaktionen

  1. Paul sagt:

    Alter Falter, was für ein Satz. Heftigst. Mal schauen was mit Wahnfried passiert- Insekten und Stahl erinnert mich an einen Dragonball-Z-Charakter, Cell…

    Danke auf jeden Fall für die Teilnahme :)

  2. [...] Julius Tags: Ideen, Stöckchen Geschrieben in In den unendlichen Weiten des Internets [...]

  3. [...] Julius hat mir den Stift zugeschoben, ich soll Pauls Geschichte um einen Satz ergänzen. Was ich hiermit tue: [...]

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