Julius’ Blog

Ich, ganz subjektiv.

Passagiertypologie

Dienstag, 22. Juli 2008 – 15:59 Uhr

Man fragt sich ja immer, was für Menschen eigentlich bei AIDAbella an Bord sind. Oberstudienrat mit Hausfrau ist das Klischee, doch weit gefehlt.

Auf dem Schiff gibt es erstaunlich viele junge Leute. Eltern mit ihren Kindern, die auch noch halbelf in den Shows sitzen, die überhaupt nicht für Kinder konzipiert sind und sie sichtlich langweilen. Gut, bei manchen Shows sind nicht nur die Kinder gelangweilt, was zum Teil an den »Fähigkeiten« einiger Sängerinnen liegt (es gibt aber auch Künstler, die wirklich was draufhaben).

Die nächste große Kategorie sind jene, die in einem Mangelsystem sozialisiert worden sein müssen. Sie haben permanent Angst, dass kein Aufzug mehr fährt, dass es im Theatrum keinen Platz mehr gibt (daher sitzt man dort schon anderthalb Stunden vor der Show) und dass das Essen jeden Moment ausgehen könnte, obwohl das Restaurant just erst geöffnet hat. Getreu dem Motto »Lieber den Magen verrenkt als dem Wirt was geschenkt« bauen sie Türme auf Tellern und scheinen sich endlos nachzuholen. Die Anzahl der Nachschläge, der geleerten Biergläser und die Höhe der Türme korrelieren mit Körperumfang.

Der Typ Luxusglobetrotter fährt mindestens das 15. Mal mit AIDA und ist nur am Meckern. Jene Sehenswürdigkeit ist unspektakulär, denn man stand mit dem Ausflugsbus, den man selbstredend nicht verlassen hat, schon vor einer Inkapyramide. Er vergleicht auch sehr gern Städte an der Ostsee mit Städten in exotischeren Ländern wie Thailand.

Der vierte Typus kann von Glück reden, dass er noch nicht im Bordhospital gelandet ist. Die zehn Meter von Zimmertür zum Aufzug strengen ihn sichtlich an; der Kopf wird ruckzuck verkehrsrot. Der hohe Blutdruck begünstigt auch ein eher ausgefallenes Temperament: Dass im Theatrum jemand Plätze frei hält, findet er unverschämt, was er mit einem Geräusch untermalt, das man sonst nur von Seelöwen in der Brunftzeit kennt. Dabei stützt er sich auf seine Knie, obwohl der Wanst ein Nachvornekippen zumindest in Sitzposition wirksam verhindert.

Und dann gibt es noch eine Reihe normaler Reisender. Die vergnügt sind, sich die Städte auf eigene Faust anschauen, die nicht zum Mittag und Kaffee zum Schiff zurückkehren, die einfach ihren Urlaub etwas aktiver gestalten. Doch diese breite Masse sticht bei weitem nicht so heraus. Sie ist auch viel zu unspektakulär, um über sie zu bloggen.

Alle AIDAbella-Ostseetour-Berichte.

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13 Reaktionen

  1. Vee sagt:

    Somit bin ich sehr froh, dass es ganz viele andere Kategorien gibt – sonst wäre das Lesen dieses Beitrags nicht so amüsant!

    Danke für die vielen schönen Berichte und Fotos.

    Welcome back home!

  2. Markus sagt:

    Der letzte Absatz stimmt ja wieder etwas zuversichtlicher. Wollte dich schon für die Reise bemitleiden, aber das ist sicher nicht notwendig. War bestimmt ein super Erlebnis. Willkommen zurück.

  3. Julius sagt:

    Vielen Dank für die Willkommen-zurück-Grüße! Ich freu mich auch sehr, wieder da zu sein und wieder ein wenig an eurem Leben partizipieren zu können.

  4. The Exit sagt:

    Auch von mir: Willkommen zurück!

    Es scheint ein gewisses Pauschaltouristenklischee über allem zu schweben :)

  5. Oliver sagt:

    mh…als wir im mai auf der Bella waren gab es die Kategorie der “jungen Familien” nicht. Dafür waren die Senioren etwas stärker vertreten. Generell kann dich die Beschreibung aber genehmigen :-)
    Gott sei Dank überwogen bei uns die “Normalos” sprich wir hatten viel Spaß. Um den Stop in St. Petersburg und Stockholm beneide ich euch

  6. Julius sagt:

    @Oliver
    In welchen Häfen wart ihr?

  7. Oliver sagt:

    wo ist denn mein letztes Kommentar hin ?

    waren in Oslo und Kopenhagen. Ab Warnemünde. Unmittelbar nach der Jungfernfahrt :-)

  8. Julius sagt:

    Kopenhagen ist ja sehr toll!
    Ich habe gerade mal den Katalog aufgeschlagen und frage mich, wieso man von Kopenhagen nach Warnemünde zurück eigentlich nicht direkt fährt, sondern erst einmal die Insel Seeland umkreist, vorbei an den Inseln Fünen und Lolland?

  9. el mamo sagt:

    Na, weils schön ist !

  10. Julius sagt:

    Allerdings legte das Schiff (laut Plan) 17:00 Uhr in Kopenhagen ab, Ankunft um 8:00 Uhr in Warnemünde. Ich weiß nicht, ob man dann die entscheidenen Schönheiten nachts mitbekommt.

  11. The Exit sagt:

    Aber in den weißen Nächten, wenn die Sonne nur kurz untergeht…

  12. Julius sagt:

    Ist Kopenhagen dafür nicht zu südlich?

  13. el mamo sagt:

    Dann eben, damit du nicht um 02:23 Uhr in Warnemünde ankommst sondern zu Zeiten, zu denen du den Verwandten ein Abholen zumuten kannst oder zu denen die Bahn dich weiter nach Hause fährt.
    Natürlich könnte man nachts auf einfach ankern oder die Motoren ausmachen. Da der Kapitän dabei aber einschlafen würde, beschäftigt dieser sich mit dem Umrunden von Inseln. So.

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