Julius’ Blog

Ich, ganz subjektiv.

Lernbezogene, soziale und gesundheitliche Probleme

Montag, 26. Januar 2009 – 08:15 Uhr

Dies ist der letzte Beitrag des Blogthemas »Lernmotivation und Beratung«.

Nicht wenige Schülerinnen und Schüler leiden an Lernstörungen, Verhaltensstörungen, psychischen und Lebenskrisen-Störungen. Durch die vielfältigen sozialen Beziehungen in der Schule und den damit verbundenen Problemen, aber auch durch die hohen Anforderungen an die Schüler ist die Schule nach der Familie der einflussreichste Faktor für die Verursachung psychischer und psychosomatischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen.

Nicht schulisch bedingt, aber dennoch ein großes Problem sind schwere Lernstörungen wie Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) und Dyskalkulie. Von LSR wird gesprochen, wenn die Lese- und Rechtschreibleistung unter dem aufgrund des Alters und der Intelligenz zu erwartendem Niveau bleibt und wenn die Probleme nicht ausreichend durch sensorische Defizite, psychische Störungen oder Hirnschädigung erklärbar sind. Ebenso wie Dyskalkulie, der Rechenschwäche, ist LRS zeitlich überdauernd. Vermutete Ursachen sind Wahrnehmungsstörungen sowie Gendefekte.

Ein zweites großes Problemfeld sind Verhaltensstörungen. Ein Schüler, bei dem solche Störungen diagnostiziert werden, zeigt ein sich wiederholendes und anhaltendes Verhaltensmuster, bei dem grundlegende Rechte Dritter und wichtige gesellschaftliche Normen oder Regeln verletzt werden. 27 % aller 11- bis 13-jährigen Jungen entwickelt, so eine Studie Verhaltensprobleme. In der Schule treten besonders häufig Aggressivität und Aufmerksamkeitsstörungen auf.

Aggressive Jungen neigen zu körperlichen und verbalen Formen (etwa schlagen und brüllen), Mädchen hingen bevorzugen relationale Formen der Aggression. Das heißt, dass sie Beziehungen zerstören, indem sie intrigieren, lästern und Gerüchte verbreiten.

Die bekannteste Aufmerksamkeitsstörung ist ADS bzw. ADHS. Hier gibt es drei Ausprägungen: (1) Unaufmerksamkeit, (2) Hyperaktivität oder (3) beides zusammen. Indikatoren sind neben Unkonzentriertheit und Hyperaktivität eine geringe emotionale und motorische Kontrolle. In der Schule sind AD(H)S-Schüler kurzfristig beliebt, da sie als offen, witzig und dem Lehrer gegenüber mutig erscheinen, langfristig werden sie jedoch von den Mitschülern abgelehnt.

Ebenfalls in den Bereich der Verhaltensstörungen fallen die Unterrichtsstörungen. Dies umfasst verbales Störverhalten (schwatzen), mangelnden Lerneifer (Abwesenheit und Desinteresse), motorische Unruhe (zappeln, kippeln, herumlaufen) und aggressives Verhalten (wütend, beleidigend, gewalttätig). Die Schuld für diese Störungen liegen nicht ausschließlich bei den Schülern, auch der Lehrer kann mit seinem Verhalten (ungeduldig, launisch, desinteressiert, inkonsequent, unachtsam, ironisch) und seiner Gestaltung von Unterricht (strukturlos, unvorbereitet) Störverhalten fördern. Um Unterrichtsstörungen schon präventiv anzugehen, ist es sinnvoll, frühzeitig mit der Klasse über Regeln und Folgen zu sprechen. Es sollte klar sein, was auf keinen Fall geduldet wird und welches Verhalten unerwünscht ist. Der Lehrer muss konsequent und ausnahmslos, idealerweise in Stufen intervenieren.

Das dritte große Problemfeld sind die psychischen und Lebenskrisen-Störungen. Während bei psychische Störungen (Depressionen, Ausgrenzung, …) das Verhalten als Persönlichkeitsmerkmal des Schülers erscheint, ändert sich das Verhalten bei Störungen durch Lebenskrisen (Scheidung der Eltern, Krankheit, Tod, Liebeskummer, …) schlagartig und mit Dauer.

Unter Sonderfälle wird eine Vielzahl von Problemen zusammengefasst, darunter Magersucht und Bulimie (jedes vierte Mädchen leidet an einer Essstörung), Zwänge, Ritzen, Verdacht auf sexuellen Missbrauch, Suizidgedanken und verfestigtes Suchtverhalten. Insbesondere bei diesen Sonderfällen aber auch bei den anderen Störungen ist eine enge Zusammenarbeit mit entsprechenden Fachdiensten (schulpsychologische Beratung, Jugendamt, Familienhilfe, Sozialdienst, Suchtberatungsstelle, Krisendienst, Gesundheitsamt, …) sinnvoll bzw. notwendig.

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eine Reaktion

  1. Ani sagt:

    echt super! deine Beiträge waren große Hilfe für mich in diesem Semester. Ich habe die Themen viel besser verstanden. Danke dir!

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