Sie haben Urlaub! (2)
Samstag, 8. August 2009 – 12:20 Uhr
Falmouth, kurz nach 14:15 Uhr. Sechs Busse der Tour »Bezauberndes Cornwall« nehmen die Fahrt Richtung St. Ives und St. Michael’s Mountain auf.
Nach wenigen Minuten kristallisiert sich heraus, dass die Sprechanlage unseres Busses defekt ist. Erstes Murren wird laut, gestern haben einige schon in einem Bus mit defekter Klimaanlage gesessen. »Murren« ist dabei deutlich untertrieben, der Bus ist voller Männer, die man in Deutschland als Prozesshansel bezeichnet.
Der Busfahrer, der bereits vormittags mit dem Bus nebst funktionierender Sprechanlage tourte, telefonierte kurz in die vier Meilen entfernte Zentrale, die sofort einen Ersatzbus losschickte. 10 Minuten später war er dann auch schon vor Ort. In der Zwischenzeit spielten sich Szenen ab, die Abgründe der Menschheit offenbarten.
Eine Frau mit sächsischem Akzent entblödete sich nicht, minütlich laut zu fragen, wieso denn der Bus nicht am ersten Stopp ausgetauscht wird. Hm, könnte vielleicht daran liegen, dass wir mit nur vier Meilen von der Zentrale entfernt sind und uns die Reiseleiterin auf den restlichen 30 Minuten bis zum ersten Stopp noch vieles erzählen kann.
Die Prozesshansel rotteten sich zusammen und kündigten an, feige wie sie sind aber nicht vor der Reiseleiterin, den Preis für den Ausflug aufgrund dieser unzumutbaren Zustände zurückzufordern. 47 €. Weniger als Peanuts, wenn man zuvor tausende Euro für die Kabine in Deck 7 bezahlt hat. Aber aus einer Mücke einen Elefanten zu machen kann auch eine Lebenseinstellung sein.
Leider haben die Herren übersehen, dass sie von der AIDA gar nichts erwarten können. Der lokale Veranstalter ist explizit der Vertragspartner. Diese haben sogar das Recht, Programmpunkte oder Zeiten ohne Ankündigung zu ändern bzw. zu ersetzen.
Von der Zeitänderung wurde auch Gebrauch gemacht. Statt anderthalb Stunden hatten wir nur 40 Minuten in St. Ives. Ausreichend, um 750 m steilen Weg hinunterzugehen, einen Eindruck vom überlaufenen, jedoch sehr reizvollen Badeort zu gewinnen und den steilen Weg wieder hinaufzuklettern. Aber natürlich ein neuerlicher Anlass, um auf die Verletzung des Vertrages hinzuweisen.
Trotz der widrigen Umstände – damit meine ich die anderen Gäste und nicht den defekten Bus – war es ein sehr schöner Ausflug.
Um mal mit den “Ärzten” zu sprechen: “Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin …”
Genießt den Urlaub !
L.G.