Uni-Streik: Übergang vom Bachelor zum Master
Sonntag, 15. November 2009 – 09:52 Uhr
Neben der Zulassung zum Studium allgemein bewegt der Übergang vom Bachelor zum Master die Gemüter im aktuellen Bildungsstreik.
Der momentane Zustand ist so, dass man sich mit seinem Bachelorabschluss um einen Masterplatz bewirbt. Da der Bachelor bereits der erste Hochschulabschluss ist und ein Teil der Studenten damit in der Wirtschaft unterkommen soll, gibt es nicht so viele Master- wie Bachelorplätze. In Französisch haben ich beispielsweise mit 59 Kommilitonninen und Kommilitonen angefangen. Etwa die Hälfte davon studierte mit Lehramtsoption. Im Masterstudium sind von den rund 30 potenziellen zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern gerade noch 9 übrig geblieben, die Kapazitäten sind damit bei weitem nicht ausgreizt.
In anderen Fächern ist die Situation alles andere als positiv. Dort konkurrieren die Bachelorstudentinnen und -studenten um wenige Masterplätze. Ergattern sie keinen, müssen sie darauf hoffen, an anderen Universitäten Erfolg mit ihren Bewerbungen zu haben. Im ungünstigsten Fall müssen sie ein Jahr aussetzen.
Dieses gestufte System hat also den entscheidenden Nachteil, das einem der Masterplatz nicht garantiert ist.
Das wäre im Prinzip kein Nachteil, wenn sich Gesellschaft und Wirtschaft auf die neuen Studienabschlüsse einlassen würde: Der Bachelorabschluss ist in den Augen der meisten Menschen nichts wert. Nicht weil das Bachelorstudium schlecht wäre, sondern weil man es schlechtredet. Akzeptierte man den Bachelor, stellte er einen guten Einstieg in die Arbeitswelt dar. Durch ein obligatorisches Praktikum als Bestandteil des Studiums ist er deutlich praxisorientierter als die alten Studiengänge. Doch leider verlangt man von blutjungen Studenten eine ihr Alter deutlich übersteigende Berufserfahrung, selbstverständlich nebst Auslandaufenthalt (dabei ist es völlig egal, dass man in Barcelona in einer deutschen WG gewohnt hat und eigentlich nur gefeiert hat). Hier muss sich ganz klar etwas in der Haltung der Gesellschaft und der Wirtschaft ändern.
Einen weiteren Vorteil sehe beim Bachelor- und Mastersystem darin, dass man nicht mehr in einem Studiengang »gefangen« ist. Früher war es deutlich schwerer, aus dem Lehramtsstudium auszubrechen, wenn man plötzlich eine Schülerallergie entwickelt hat. Heute sammelt man erste praktische Erfahrungen im Bachelorstudium und kann sich dann umentscheiden, den Weg des Lehramtes doch nicht weiter zu verfolgen. Man hat einen Hochschulabschluss, auf dem man aufbauen kann. Anders als ursprünglich geplant. Früher konnte man nur abbrechen und neu starten, mit etwas Glück hat man die ein oder andere Veranstaltung anerkannt bekommen.
Die Probleme, die sich aus der Zweiteilung des Studiums in Bachelor und Master ergeben, sind eigentlich keine Probleme des Systems, sondern Probleme im Umgang mit der Neuerung. Vermutlich aus der Vorstellung erwachsend, dass früher alles besser gewesen sei.