Gutes neues Jahr!
Freitag, 1. Januar 2010 – 00:01 Uhr
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
»Und wir leben doch noch.« Zu diesem Schluss bin ich gekommen, als ich mir vor Kurzem meinen letzten Post des Jahres 2008 durchlas.
Beflügelt vom omnipräsenten »Yes we can« versprühte auch Horst Köhler bei seiner Weihnachtsansprache 2008 Zuversicht, denn er wisse:
Wir haben ein gutes Fundament. Die Reformen der vergangenen Jahre und die neue Bereitschaft zum Miteinander in den Betrieben haben uns gestärkt für die Aufgaben, die vor uns liegen. Ich bin froh über den Ideenreichtum, die Tatkraft und die Gelassenheit, die ich überall im Lande erlebe. Wir sind gewappnet durch die vielen tüchtigen Menschen, die unsere Gemeinschaft tragen: gut ausgebildete, motivierte Arbeitnehmer, ideenreiche, mutige Unternehmer und Millionen von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die gestalten und anpacken und füreinander einstehen. Das kann uns allen Mut machen.
Nun ja. Einen Friedensnobelpreis, eine gescheiterte Weltklimakonferenz (»Floppenhagen«) und unendliche Negativmeldungen in den Medien später ist vom Zauber des »Yes we can« nicht mehr viel übrig geblieben. Trotz der dringenden Notwendigkeit, vor allem in Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen, ist es nicht gelungen, das Konzept der Nachhaltigkeit (oder zumindest Ansätze davon) im Wirtschafts- und Finanzsystem zu etablieren. Weder international noch national.
Was können wir als einzelner Staat in einer globalisierten Welt auch schon ausrichten? Ganz viel! Zwar können wir die Welt nicht von heute auf morgen umkrempeln, aber wir können Vorreiter, Referenzgesellschaft sein. Wir als 82 Millionen können uns dazu entschließen, nicht mehr nach purem Wirtschaftswachstum zu streben, sondern nach einem Wachstum des Wohlstands, so wie Bhutan nach Bruttonationalglück strebt.
In seiner diesjährigen Weihnachtsansprache sagte Köhler:
Es geht darum, mit Ideen, Vernunft und Einsatz den Weg für eine gute Zukunft zu finden. Trauen wir uns etwas zu! Es geht um eine Politik, die über den Tag hinaus denkt und handelt. Es geht um eine Kultur der Achtsamkeit und Anerkennung, überall.
Das schafft Vertrauen. Und jeder von uns kann dazu beitragen.
Eine Kultur der Achtsamkeit und Anerkennung beginnt schon mit kleinen Gesten im Alltag. Eine langfristig orientierte, nachhaltige Politik allerdings bekommen wir nur, wenn wir sie konkret einfordern, anstatt uns permanent darüber zu ärgern, dass der Horizont einiger »da oben« nur bis zur nächsten Wahl reicht. Ich für meinen Teil werde mich bemühen, meinen Beitrag zu beidem zu leisten. Für ein Mehr an Zuversicht — für ein mehr an »Yes we can!«
Euch wünsche ich ein gesundes, erfolgreiches und zufriedenes Jahr 2010. Ich drücke euch die Daumen für gute Uni-Abschlüsse, gelunge Starts ins Berufs- oder Forscherleben, für lang ersehnte Wechsel und für alles andere, was bei euch ansteht. Und nicht vergessen: »Yes you can!«