Julius’ Blog

Ich, ganz subjektiv.

ist mir doch egal, ist mir doch egal, ist mir …

Samstag, 30. Januar 2010 – 00:21 Uhr

Zugegeben, Kinder zu erziehen ist mitunter eine anstrengende Tätigkeit. Irgendwann glaubt man, am Ende seines Lateins zu sein und kapituliert; nicht selten ging diesem Moment eine lange Geschichte voraus, bei der man dem Kind nicht klar die Grenzen aufgezeigt hat (an die man sich im Übrigen auch selbst halten sollte) und es regelrecht dazu eingeladen hat, einem auf der Nase herumzutanzen.

Eine solche Situation konnte ich heute, auf die S-Bahn wartend, in Adlershof miterleben. Eine Frau, Ende 20, etwa 1,60 m groß, breit wie hoch, »bildungsferner«, tendenziell schlecht gelaunt, ermahnte ihr Kind, Abstand zur Bahnsteigkante zu halten und nicht auf die weiße Linie zu treten. Dumm nur, dass die Lebensgefährtin dieser Frau, ebenfalls missmutig, genau das Verbotene tat. Die ganze Zeit. Und als er Zug einfuhr, übertritt auch die Mutter die weiße Linie. Der Zug stand wohlgemerkt noch nicht, sondern fuhr zügig ein.

In der Bahn sollte sich das Mädchen festhalten. Wie Kinder eben nun so sind, hielt es sich nicht fest und fiel prompt hin. Darauf setzten beiden Frauen an, minutenlang auf das weinende Mädchen einzureden, dass es selbst schuld sei, schließlich habe man ihm doch gesagt, dass es sich festhalten solle. Überflüssig zu sagen, dass sich keine der beiden Frauen festhielt.

Da der Schmerz eher ein Schreck und dadurch schnell vergessen war, hielt sich das Kind wieder nicht fest. Die Mutter befahl ihm, sich festzuhalten, das Kind scherte sich nicht darum. »Naja, dann fällst du eben hin. Ist mir doch egal.« Dieser letzte Satz sollte in den kommenden Minuten so oft zu hören sein, als hätte eine Schallplatte einen Sprung.

Definitiv einen Sprung hatte die Mutterliebe. Denn als liebende Mutter könnte man das eigene Kind freundlich bitten, sich festzuhalten, nicht weil einem danach ist, sondern weil man nicht möchte, dass es hinfällt und sich wehtut. Das vermittelte dem Mädchen: Ich sage das aus Liebe zu dir und aus Sorge um dich. Als Vorbild hielte man sich selbst auch fest. Und man führte keinen I-told-you-so-Tanz auf, wenn das befürchtete Ereignis eintritt.

Ein absolutes No-go ist allerdings, wenn man seinem Kind sagt: »Ist mir doch egal, wenn du hinfällst und dir wehtust.« Dafür hätte ich am liebsten…

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